Da kennst du deine Eltern ein Leben lang und weißt so wenig von ihnen.
Plötzlich nach Jahrzehnten liebgewordener Erzählungen aus der Vergangenheit ist deine Großmutter gar nicht deine richtige Großmutter gewesen sondern sie ist die Adoptiv-Großmutter und die richtige Großmutter ist spurlos verschwunden. Und über eine Adresse in einem Adoptivvertrag, der sich plötzlich in einem uralten Safe fand, suchtest Du über Friedhofsverwaltungen nach Nachkommen derjenigen, bei denen deine richtige Großmutter gewohnt hat - und sie schicken Dir mit ätzenden Androhungen einen Rechtsanwalt auf den Hals wegen Verletzung der Privatsphäre. Haben sie was zu verbergen? - Ich wollte eigentlich nur wissen, wo meine Großmutter abgeblieben ist. Das ist die eine Spurensuche - bereits zwei Aktenordner voll. Ich suche weiter.
Und dann bist du wieder mal bei deiner Mutter. Der Vater ist verstorben. Er konnte so was von autoritär und komisch sein. Wenigstens in meinen Jugendjahren. Später wurde es besser, aber nie gut. Und dann stöberst du auf dem Dachboden und findest in der hintersten rechten Ecke in einer alten Holzkiste unter Jahresabrechnungen und Steuerunterlagen einen alten Hefter. Voller beschriebenem Durchschlagpapier. Briefe in die Gefangenschaft nach Kanada an meinen Vater von seinen Eltern, seinem Bruder, Verwandten, Freunden - sieben Jahre lang. Und da ist er ein anderer, ein humorvoller, beliebter, optimistischer Freund mit einem großen Netzwerk, das ihn mit Briefen moralisch unterstützt. Die Briefe lese ich gerade und schreibe sie ab. Mal sehen, was ich alles finde, ich schreibe drüber.